Die klassischen Begleitmaßnahmen (Heime, therapeutische Betreuung usw.) erweisen sich in einigen Fällen als unzureichend; sie verbrauchen viele Ressourcen (finanziell und personell), ohne immer das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Eine intensive und individuelle Betreuung im Ausland ist dann oft die letzte Lösung vor z.B. einer Einweisung in ein staatliches sozialpädagogisches Zentrum. Derzeit gibt es nicht genügend Angebote, um der steigenden Nachfrage nach solchen individuellen Betreuungen gerecht zu werden. Diese Form der Betreuung wird im Ausland nur in begrenztem Umfang angeboten.

Aufgrund der jahrelangen Erfahrung in der Individual- und Intensivpädagogik für Jugendliche haben die Verantwortlichen von Solidarité Jeunes die Bedürfnisse und Herausforderungen erkannt, auf die dieses Projekt eine Antwort finden soll.

Warum das Pilotprojekt BeLeaf?
Die Vorteile des Projekts BeLeaf
  • Eine Alternative in Luxemburg für Jugendliche und Familien, die sich gegen einen Auslandsaufenthalt aussprechen.
  • Die geografische Lage ermöglicht es dem Jugendlichen, sich weiterhin in seinem sozialen Umfeld zu bewegen. Mithilfe der intensiven Begleitung des Individualpädagogen soll der Jugendliche die Gelegenheit bekommen sich innerhalb seines Umfeldes weiterzuentwickeln.
  • Die Wirksamkeit basiert sich auf einer Mischung aus individualpädagogischen Reisen bis hin zu Interventionen innerhalb des Lebensraumes des Jugendlichen. Durch die sehr intensive Arbeit wird eine Beziehung geformt, die den Zugang zu solchen Interventionen vereinfachen und wirksamer gestalten lässt.

DIE ZIELGRUPPE

In den meisten Fällen handelt es sich um Jugendliche, die in einem schwierigen sozialen und familiären Umfeld aufgewachsen sind, traumatische Erfahrungen gemacht haben oder aus langwierigen Therapien kommen. Ihr Leben ist von Brüchen (Scheidung, Gewalt usw.) und wiederholten Misserfolgen geprägt. Sie sind häufig von allen Bildungssystemen und dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen (NEET-Jugendliche – not in education, employment or training).

In den ersten zwei Jahren des Pilotprojekts wird die Zielgruppe aus Jugendlichen und junge Erwachsene (13-21 Jahre) bestehen, die hauptsächlich in einem Wohnheim oder einer betreuten Sozialwohnung leben, die von Solidarité Jeunes verwaltet werden. Die Mehrheit der Jugendlichen ist über das ONE (Office National de l’Enfance) entweder freiwillig oder gerichtlich eingewiesen worden.

DIE PÄDAGOGISCHE METHODE

Die Arbeit mit dem Jugendlichen besteht aus drei Phasen, darunter ein individualpädagogisches Projekt, das gemeinsam mit dem Jugendlichen erarbeitet wird und aus einem dreizehntägigen Aufenthalt besteht.

Mithilfe von erlebnispädagogischen Elementen und einer engen Beziehung, soll der Jugendliche die Bereitschaft verspüren seine Komfortzone zu verlassen und sich neuen Herausforderungen stellen. Mithilfe von einer authentischen Haltung und dem gemeinsamen Erleben und Bestehen von Hindernissen und Hürden, soll das Selbstvertrauen, die Resilienz und vor allem die Selbstwirksamkeit verbessert werden.

1. Vorbereitungsphase

In der Vorbereitungsphase steht der Beziehungsaufbau im Vordergrund. Die Länge der Kennenlernphase ist abhängig von den Erfolgen innerhalb des Beziehungsaufbaus. Prinzipiell werden zwei Monate vorgesehen, um eine Beziehung mit dem Jugendlichen aufzubauen. Dieses Vertrauen und diese Beziehung sind essenziell für den Erfolg oder Misserfolg unserer Intervention.

Parallel werden nicht nur Gespräche mit dem Jugendlichen geführt, sondern auch mit dem sozialen und professionellen Umfeld des Jugendlichen (Heimstruktur, Schule, Familie, usw.) Hierbei werden Ziele und Erwartungen des Umfeldes abgeklärt.

Des Weiteren werden in der Vorbereitungsphase Ressourcen und

Kompetenzen des Jugendlichen erkannt, worauf sich die Planung der Durchführungsphase mit dem Jugendlichen basiert.

Der Jugendliche hat demnach die Möglichkeit unterschiedliche Aktivitäten zu testen, wodurch der Erlebnispädagoge Beobachtungen zu physischen, sozio-emotionalen und psychischen Grenzen durchführen kann. Diese Beobachtungen sind essenziell, um ein passendes Angebot für und mit dem Jugendlichen zu erstellen. Wurde sich für eine Projekt entschieden, so wird der Jugendliche Teil dieser Planung. Der mehrtägige Aufenthalt will geplant und je nachdem trainiert werden. Die Routen müssen berechnet und das Material sorgfältig ausgewählt werden.

Dies ist ein wichtiger Prozess, um den Klienten gleich ein Gefühl der Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit zu vermitteln. Das Prinzip der Freiwilligkeit und Partizipation steht hier im Vordergrund.

2. Durchführungsphase

Während der erlebnispädagogischen Reise wird der Jugendliche immer wieder Situationen begegnen, in welchen die bisherigen Handlungsstrategien nicht funktionieren, diese also verändert und an die jeweilige Situation angepasst werden müssen. Diese Konfrontation mit den eigenen Verhaltensweisen, die eventuell bisher „funktioniert“ haben, trotz eventueller negativer Konsequenzen, wird bewusst herbeigeführt.

Der Klient erlebt eventuell auch Frustsituationen, Situationen der Orientierungslosigkeit, weil neue Verhaltensweisen erprobt und eingeübt werden müssen. Der Fachpädagoge beaufsichtigt den Klienten dabei stets und verschafft ihm durch seine Unterstützung/Anwesenheit einen sicheren Anker, um neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Dabei beobachtet der Pädagoge den Jugendlichen genauestens und ermöglicht es so, abends bei den gemeinsamen Reflektionen, den Tag und die Situationen tiefer zu analysieren. So können auch Themen angesprochen werden, die üblicherweise im Alltag in einer Einrichtung untergehen.

Der Jugendliche kann sich selbst spüren und seine eigene Wirksamkeit erfahren. Eine Erfahrung, die zentral für eine langfristige Persönlichkeitsveränderung ist. Hinzu kommt, dass der Jugendliche durch die Distanz zu seinem Umfeld und durch den individuellen Kontakt zum Erlebnispädagogen zur Ruhe kommen soll. Die Distanz soll also nicht nur geographisch zum Heimatort sein, sondern auch eine mentale Distanz zu den alltäglichen Problemen schaffen.

Das eigentliche Projekt kann zwischen 7-13 Tage dauern, damit der Jugendliche die Zeit findet, sich komplett auf das Projekt einzulassen und sich gedanklich vom Alltag lösen kann. Diese Zeit ist nötig, um diese Tiefe und den gewünschten Grad an Selbstreflektion zu erreichen.

Gegen Ende dieser Phase wird sofort die Nachbereitung eingeleitet, indem mit dem Jugendlichen Veränderungen, die während des Projektes aufgetreten sind, besprochen und reflektiert werden. Daraus ergeben sich meist Ziele und Veränderungswünsche für die Folgezeit. Diese schrittweisen Ziele werden aufgearbeitet und in realistische Zeitpläne umgesetzt. Der Transfer in den Alltag für den Klienten ist eine entscheidende Phase.

3. Transferphase

Nun folgt die Transferphase, wo die, während des Aufenthalts gesammelten, positiven Erfahrungen in den Alltag übertragen werden sollen, um die soziale und berufliche (Re-) Integration des Jugendlichen zu fördern.

Die gemachten Erfahrungen und Erlebnisse, können im Alltag erprobt werden. Dies kann von neuen Bewältigungsstrategien für Stresssituationen bis hin zu einem neuen Interesse für ein Hobby sein. Es werden Strategien entwickelt, wie diese neuen Verhaltensweisen umgesetzt werden können, sowie eventuelle Hindernisse bewältigt werden. Ebenso werden positive Verhaltensweisen, die in der Maßnahme hervorgetreten sind, thematisiert, reflektiert und verstärkt. Diese Vorgehensweise dienen somit auch den Referenzerziehern, wie

auch den betreuenden Therapeuten, in ihrer alltäglichen Arbeit mit dem Klienten.

Darüber hinaus beginnt sofort die Umsetzung der in der Maßnahme gesetzten Ziele des Klienten. Dabei kann es sich z.B. um die Aufnahme einer Therapie (falls noch nicht geschehen), Aufnahme einer schulischen oder/und beruflichen Maßnahmen, Sportprogramm in einem Verein oder Ähnliches handeln. Diese Pläne werden zusammen mit den Referenzpersonen rund um den Klienten angegangen und schrittweise geplant. Hierfür ist demnach in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Umfeld des Jugendlichen nötig.

Die Nachbetreuungsphase ist essenziell für die Effektivität der gesamten Maßnahme, da sie das Erlernte in das Umfeld und den Alltag des Jugendlichen integriert. Die Nachbereitungsphase ist nicht zeitlich limitiert, da der Transfer in den Alltag fließend stattfinden sollte.

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Lynn Heiderscheid
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Das Pilotprojekt von einer Dauer von 2 Jahren (Juni 2022- Juni 2024) wird mit der finanziellen Unterstützung der André Losch Fondation durchgeführt.

SOLINA

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LU27 0080 3755 9020 2002

Spendenbetreff „SOLINA – Beleaf“

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